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Wenn der Putz bröckelt

Feuchte Wände sind der Schrecken eines jeden Hauseigentümers. Da scheint jede Methode willkommen, die verspricht, auch ohne aufwändige Sanierungsmaßnahmen das Wasser aus dem Mauerwerk zu vertreiben.

Adolf Kemmerling kämpft schon seit Jahren gegen die feuchten Wände im Keller seines alten Hauses in Köln-Mülheim. Der Rentner befürchtet, dass die Feuchtigkeit schlecht für seine Gesundheit sein könnte. Abhilfe schaffen sollte ein Gerät mit dem Namen Matrolan. Verkauft wird es von der Firma Integus aus Bergisch Gladbach. Das Versprechen: Der kleine Kasten soll das Wasser in den Wänden vertreiben - mittels sogenannter aktiver Elektroosmose. Durch elektrische Strömung soll das Gerät das Wasser in den Wänden beeinflussen.

Da das Ehepaar Kemmerling in zwei Häusern Probleme mit Feuchtigkeit hat, kauften sie gleich zwei dieser Geräte zum Stückpreis von 10.000 Euro. Dafür nahmen sie sogar einen Kredit auf. Doch auch nach sechs Wochen war der Keller immer noch feucht. Die Firma Integus riet zu Begleitmaßnahmen: Der Rentner sollte Salzkristalle von den Wänden kratzen.

Adolf Kemmerling machte sich also an die Arbeit. Doch Jahre später war der Keller immer noch feucht. Funktioniert das Gerät etwa nicht? Doch, meinte die Firma, aber es erfordere weitere Maßnahmen: Ventilatoren sollten für frische Luft im Keller sorgen. Aber auch das half nicht weiter.

Schließlich reichte es den Eheleuten. Sie wollten endlich wissen, ob die aktive Elektroosmose überhaupt funktioniert. Ein Sachverständiger sollte das beurteilen. Norbert Becker kennt die Firmen nur zu gut. Manchmal, so sagt er, drohen sie ihm sogar. Der Sachverständige misst die Feuchtigkeit im Hause Kemmerling. Sein Ergebnis: „Wir haben 5,5 Prozent an Feuchtigkeit in der Wand. Das heißt, 5,5 Prozent der Masse ist Feuchtigkeit. Als trocken definieren wir dieses homogene Ziegelmauerwerk ab ein beziehungsweise 1,5 Prozent.“ Die Wand ist also immer noch feucht.

Methode wirkungslos?

Kann das Wasser mit der aktiven Elektroosmose also gar nicht verschwinden? „In der Baupraxis ist mir kein Objekt geläufig, wo ein solches Verfahren Effektivität zeigte, sodass das Mauerwerk tatsächlich heruntergetrocknet und entsalzt wurde“, berichtet der Sachverständige.

markt konfrontiert die Firma Integus mit dieser Aussage. Die teilt schriftlich mit, es handele sich um eine Verwechslung: „Anbieter der passiven Elektroosmose verwenden Geräte (…), die elektrische Felder, magnetische Felder oder gar esoterische Wirkung einsetzen. (…) Diese Verfahren sind umstritten. Bei Matrolan handelt es sich um ein patentiertes, aktives elektrophysikalisches Verfahren. Ein Vergleich ist nicht möglich.“

Die Firma wirbt in ihrem Prospekt sogar mit dem Haus der Kemmerlings. Für Rechtsanwalt Albrecht Omankowsky ist das eine Unverschämtheit. Elektroosmose, ob passiv oder aktiv, sei wirkungslos: „Diese Masche von sogenannten Zauberkästchen ist populär geworden. Wir haben drei Gruppen von solchen Geräten. (…) Allen drei gemeinsam ist, dass sie nicht funktionieren.“

Trotzdem wächst der Markt für solche Geräte. Die meisten Hersteller kommen aus Österreich und vertreiben die Geräte unter verschiedenen Namen in Deutschland. Alle werben mit Elektroosmose.

Auch Annette Spalink hatte in ein ähnliches Gerät investiert. Das Produkt der Firma Aqualan sollte von einem Schrank aus die Feuchtigkeit im Wohnzimmer vertreiben. Aber das Wasser verschwand nicht. Im Gegenteil: Es breitete sich sogar richtig aus. Das Parkett ist ruiniert, der Schaden: 5.000 Euro. So viel kostete auch das Aqualan-Gerät. Die Reaktion der Firma: „Es ist egal, wie Sie ein Gebäude entfeuchten, es ist ein normaler Vorgang, dass, wenn die Wände durchtrocknen, der Putz rissig werden kann und Salze ausblühen können.“

In Österreich wirbt Aqualan noch mit den Geräten. In Deutschland ist die Werbung nach einem Urteil des Oberlandesgerichts Düsseldorfs wegen Irreführung verboten.

Autorin:
Nicole Kohnert

Stand: 30.08.2010

veröffentlicht unter www.wdr.de

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